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5.6.15-8.6.15 | Quer durch die Schweiz

Reisend netzwerken - Im Spannungsfeld von Baukultur und Tourismus

Auf dem Weg zu einem Europäischen Frauennetzwerk im Bereich Planung, Architektur und Ingenieurwesen

Vom 4. bis 8. Juni 2015 hat das Netzwerk Frau und SIA Vertreterinnen europäischer Frauennetzwerke zu einem ungewöhnlichen Tagungsformat eingeladen. In Form einer mehrtägigen Reise durch die Schweiz wurde auf fachlicher Ebene der Umgang von Planung und Architektur mit dem Alpentourismus in Vorträgen und Führungen thematisiert. Auf strategischer Ebene stand der Austausch von Erfahrungen zu Themen wie Chancengleichheit, der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben oder Lobbying im Mittelpunkt. Angeregt wurde die Idee des Austausches auf europäischer Ebene durch den Kongress ‚Women in Architecture’ Hamburg im Jahre 2012. Ergebnisse der Reise sind – neben einer Einladung der Netzwerkvertreterinnen nach Wien im September 2016 – konkrete Projekte, welche durch internationale Arbeitsgruppen in den nächsten Monaten vorangetrieben werden.
Auf der Reise waren rund 30 Vertreterinnen von neun verschiedenen Netzwerken aus Deutschland, England, Frankreich, Österreich und der Schweiz anwesend, die ebenfalls an einer Stärkung genderspezifischer Fragen in Bereich Planung, Architektur und Ingenieurwesen interessiert sind. Den Auftakt bildete eine rege besuchte, öffentliche Podiumsdiskussion am Donnerstagabend im Architekturforum Zürich mit dem Titel ‚Der Wert guter Architektur im Tourismus’. Am darauf folgenden Tag führte die Reise vom Freitag Flagship Store in Zürich West nach Luzern. In zwei engagierten Vorträgen der Luzerner Architektin Monika Jauch-Stolz und der Leiterin des Ressorts Denkmalpflege, Theresia Gürtler Berger bekamen die Teilnehmerinnen einen kritisch-persönlichen Blick auf eine 'der' Schweizer Tourismusdestinationen. Nach diesen äusserst urbanen Spaziergängen endete der Freitag auf dem Gotthardhospiz, im Hotelumbau von Miller Maranta. Der dritte Tag stand ganz im Zeichen des Spannungsfeldes äusserst unterschiedlicher Tourismuskonzepte. Der Samstag begann mit einer Führung durch das Ressort Andermatt. Das ambitionierte, international orientierte Projekt stand ganz im Gegensatz zum nächsten Etappenziel, dem Hotel Furkablick auf dem Furka, das in einer Art Dornröschenschlaf an Reisegewohnheiten und Ästhetiken des letzten Jahrhunderts erinnert und neben einem Frühwerk von Rem Koolhaas viele zeitgenössische Landart-Kunstwerke (ver)birgt. Nach einer Fahrt über dem Grimsel mit eindrücklichen Staudammbauwerken warf das Projekt "Ferien im Baudenkmal" des Schweizer Heimatschutzes die Frage der Bewahrung von Ort und traditionellem Handwerk innerhalb des gewinnorientierten Tourismusbetriebs auf. Der Tag wurde mit einem Vortrag über die Neuausrichtung der Schweizer Jugendherbergen abgerundet. Von der Wertschätzung für Architektur und Funktionalität des Designs konnten sich die Teilnehmerinnen bei ihrer Übernachtung in der Jugendherberge Interlaken selbst überzeugen. Der Sonntag und vierte Tag der Reise führte die Gruppe zuerst nach Biel, wo die ehemalige Mitarbeiterin der Expo 02 Ariane Widmer Pham auf sehr poetische Weise die Expo 02 wieder aufleben liess und endete mit einem grossen Workshop im Unternehmen Basel Mitte. Am letzten Tag ergab sich die Gelegenheit, nach der dortigen Übernachtung den Neubau der Jugendherberge Basel von Buchner Bründler und die Messe Basel von Herzog&De Meuron zu besichtigen. Das vielseitige Programm bot ein breites Spektrum an Beispielen, um über die Auswirkungen des Tourismus auf unsere gebaute Schweizer Umwelt nachzudenken und zu diskutieren: vom renditeorientierten Tourismusresort, über Einrichtungen für den Massentourismus, über bescheidenere, eher lokal gefärbte Projekte bis hin zur ephemeren Expo-Architektur, die zwar für grosse Menschenmassen geschaffen, deren Nachhaltigkeit jedoch in der Tatsache liegt, dass sie in der gebauten Umwelt kaum Spuren hinterlassen hat.

Neben vielen Gelegenheiten für informelle Gespräche hatten die Reiseteilnehmerinnen die Möglichkeit, an zwei geführten Workshops teilzunehmen. Der Workshop "informieren, präsentieren, austauschen" auf dem Gotthardhospiz bot die wichtige Gelegenheit des Kennenlernens der unterschiedliche Organisationsformen, Themenschwerpunkte und Projektarbeiten der verschiedenen Netzwerke. Ergebnis war die Sammlung 'brennender Themen': Während bei den gesellschaftlichen Themen wie Chancengleichheit und Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben in den unterschiedlichen Ländern Übereinstimmung vorherrschte, wurden bei berufsspezifischen Themen wie z.B. Vergabewesen oder auch in der Organisationsform der Netzwerke grosse Unterschiede sichtbar. Beispielsweise sind in Österreich, England und der Schweiz die Frauennetzwerke jeweils in die Berufsverbände eingebunden. Im Gegensatz dazu sind die Frauennetzwerke in Deutschland überwiegend als unabhängige Vereine organisiert, was ihre Position schwächt. Interessant ist auch, dass die meisten Netzwerke um das Jahr 2000 herum gegründet wurden, und dass sogar ein Netzwerk existiert, das dieses Jahr bereits das 25. Jubiläum feiert (BauFrauen e.V. Nürnberg).

Der Workshop "entwickeln, entwerfen, kooperieren" fand im Unternehmen Mitte in Basel statt. Er begann mit einem Vortrag von Angela Brady, RIBA Präsidentin von 2011-2013, die im Jahre 2000 ‚Women in Architecture’ ins Leben gerufen hatte, einer Organisation die heute zum ‚festen Inventar’ des RIBA in England gehört. Seit ihrer Präsidentschaft betätigt sie sich hauptsächlich als Medienschaffende. In ihrem Vortrag zeigte sie auf, wie mittels Fernsehbeiträgen und Social Media auf effiziente Weise Öffentlichkeitsarbeit betrieben und einem breiten Publikum Anliegen von Architektur und Planung vermittelt werden können. Der Workshop selbst galt der Frage, ob ein Austausch der Netzwerke auf der europäischen Ebene weiterverfolgt werden solle und wie ein solcher zukünftig aussehen könnte. Es zeigte sich schon bald, dass das Interesse nach einem europäischen Austausch zwischen den Ländern gross ist und dass ein gemeinsames europäisches Netzwerk einem allseitigen Bedürfnis entspricht. Im September 2016 soll nun das nächste Treffen in Wien stattfinden, mit dem Ziel, dann offiziell das europäische Frauennetzwerk für Architektinnen, Planerinnen und Ingenieurinnen gründen zu können. Zur Vorbereitung wurde eine kleine Arbeitsgruppe gebildet. Erklärtes Ziel ist es, dass diesem Netzwerk in einem späteren Schritt auch noch solche aus anderen europäischen Ländern insbesondere aus Nord-, Ost- und Südeuropa beitreten.
Weitere konkrete Ergebnisse der 'Reise-Tagung' sind der Aufbau einer Datenbank zu Expertinnen aus den Bereichen Planung, Architektur und Ingenieurwesen, die bei der Suche nach Kommissions- oder Jurymitgliedern dem verbreiteten Argument, dass es keine entsprechend qualifizierten Frauen gibt, begegnen soll. Ebenso hat sich eine deutsch-schweizerisch-österreichische Gruppe gefunden, die in der bekannten Pixi-Minikinderbuchreihe eine Sonderreihe lancieren möchte. Mit Heften wie "Meine Freundin ist Architektin", "Meine Freundin ist Maurerin" oder "Meine Freundin ist Chefin" sollen weibliche Vorbilder und Rollenverständnisse im Bereich Planung, Bau- und Ingenieurwesen gestärkt bzw. differenziert werden.

Die Organisation dieser Reise wurde durch den unermüdlichen und ehrenamtlichen, fast 2 Jahre andauernden Einsatz einer 5-köpfigen Arbeitsgruppe bestehend aus Anne Brandl, Alexa Bodammer, Marianne Baumgartner, Melanie Franko und Franziska Plüss aus dem Netzwerk Frau und SIA, Regionalgruppe Zürich vorbereitet. Sie haben damit einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, dass das Ziel eines europäischen Netzwerkes von Planerinnen, Architektinnen und Ingenieurinnen bald Realität werden könnte.

Teilnehmende Netzwerke

Dominique Lorenz und Anne Brandl, Netzwerk frau und sia